Hanse Von der Kaufmannshanse zur Städtehanse

Die Hanse war ein Bund von reisenden Kaufleuten, später auch europäischen Städten im Nord- und Ostseeraum zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert. Den Kern bildete die Hansestadt Hamburg, Bremen und Lübeck. Dennoch lag der Großteil der Hansestädte nicht am Meer sondern im heutigen Nordrhein-Westfalen. Zu ihren besten Zeiten waren nahezu 200 europäische Städte Mitglied der Hanse.

Katharinenkirche Hanse Stadt Salzwedel
Katharinenkirche Hanse Stadt Salzwedel

Der Begriff „Hanse“

Das Wort „Hanse“ (Althochdeutsch „Hansa“ für Gruppe oder Gemeinschaft) bedeutet so viel wie „Bund“ oder „Schar“. Andere Begriffe waren „Düdesche Hanse“ oder „Deutsche Hanse“ (auf Latein „Hansa Teutonica“). Teutonica leitet sich von „Teutonen“ ab, einem germanisches Volk der Antike aus dem heutigen Jütland in Dänemark. Eine zweite Verwendung für das Wort „Hanse“ (auch „hense“ beziehungsweise „henze“) war das Entgelt, das Kaufleute und Städte zahlen mussten, wenn sie der Hanse beitraten. Die Mitgliedschaft bot viele Vorteile. Darunter Zollfreiheit, Handelsprivilegien sowie militärischer Schutz. Die Angelegenheiten der Hanse wurden allgemein als „hansisch“ bezeichnet. Mitglieder der Hanse hießen hingegen „Hansekaufleute“.

Das Artlenburger Privileg – Geburtsstunde der Hanse

Artlenburger Privileg
Artlenburger Privileg

Die Urkunde des Artlenburger Privileg feierte am 27. und 28. August 2011 ihren 850 Jahrestag. Es war ein geschichtsträchtiges Ereignis von großer Tragweite auf dem Landtag der Ertheneburg 1161 in Artlenburg. Damals am Elbübergang gewährte Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, den dänischen Händlern der Insel Gotland die gleichen Handelsrechte in Sachsen und den Hafen von Lübeck wie den deutschen Händlern auf Gotland. Es war ein schriftlich fixiertes Abkommen, das bereits zuvor unter Lothar III. zugesagt wurde. Das bilaterale Abkommen gilt als erster Handelsvertrag der Geschichte und besiegelte auch die vorherige, blutige Fehde der beiden Parteien. Fortan konnten Händler ungehindert miteinander Handel treiben und genossen dazu noch Zollfreiheit, Schutz und Frieden. Folglich kann die von Heinrich geförderte sowie erste Ostseestadt Lübeck als „Mutter der Hanse“ bezeichnet werden.

Lubeke, die Mutter der Hanse entsteht

Lübecks Handelsrouten
Lübecks Handelsrouten

Im Jahre 1143 wurde die Stadt Lübeck auf dem Hügel Buku, auf einer ehemaligen wendischen Burg zwischen Trave und Wakenitz gegründet. Initiator war Graf Adolf II., Graf von Schauenburg und Holstein. Er übernahm mit „Liubice“ auch gleich den Namen des Handelsortes, der weiter nördlich bis zur Zerstörung 1138 hier stand. In der folgenden Zeit erhielt Liubice oder „Lübeck“ das Soester Stadtrecht sowie im Jahr 1160 das wichtige Artlenburger Privileg von 1161. Historiker nennen das Jahr 1160 als Beginn der eigentlichen „Kaufmannshanse„. Denn mit den gemeinsamen Fahrten vieler Händler über die Ostsee kam der Handel erst so richtig in Schwung. Als erste Ostseestadt wurde „Lubeke“ im Jahr 1163 auch Sitz des Bistum und man begann mit dem Bau des Doms. Viele Menschen zogen in die Stadt, insbesondere auch Händler aus dem heutigen Nordrhein-Westfalen. Durch Sie blühte der Handel weiter auf.

Ein sicherer Handelszugang entsteht

Mit der Gewährung der Reichsfreiheit durch Kaiser Friedrich II. wurde Lübeck auch die Reichsfreiheit garantiert. Fortan konnte sich die Stadt an der Trave selbst regieren. Doch schon im Jahr 1241 hatte Lübeck mit Hamburg einen Vertrag unterschrieben (1230 bereits zugesichert), in dem die Freundschaft der beiden Städte sowie die gegenseitige Unterstützung festgelegt wurde. In der Folge bot sich Händlern ein sicherer Korridor nach Lübeck und somit zum Hafen an der Ostsee. Von dort konnte man über das Meer mit anderen Ländern Handel treiben, also Waren kaufen und verkaufen. Doch noch wurde der Ostseehandel von der schwedischen Stadt Visby auf Gotland dominiert. Bis zur Eroberung der Insel durch den Dänenkönig Waldemar IV. war Visby auch der Hauptort der Hanse. Erst mit der Rückeroberung unter der Führung Lübecks und dem Frieden von Stralsund im Jahr 1370 wurde Lübeck zur inoffiziellen Hauptstadt der Hanse.

Der Wendische Bund war der Vorläufer der Deutschen Hanse

Zum Schutz der Handelswege auf dem Meer und auf dem Land vereinbarten die Städte LübeckStralsundWismarKiel und Rostock im Jahr 1259 ein Bündnis. Dieser „Wendische Bund“ gilt als Vorläufer der Deutschen Hanse. Der Begriff „Wenden“ ist ein althochdeutsches Wort für die Bevölkerungsgruppe der Slawen im deutschsprachigen Raum, insbesondere aber entlang und östlich der Elbe. Später folgten weitere Städte diesem Bund, so auch Anklam, Stettin, Lüneburg und Greifswald. Parallel dazu entstand in Nordrhein-Westfalen der „Westfälische Bund“. Städte wie Dortmund, Münster oder Osnabrück zählten dazu. Später wurden auch diese Orte Teil der Hanse.

Die Gemeinschaft der Gotlandfahrer ist die Keimzelle der Hanse

Die Hanse
Die Hanse

Schon früh schlossen sich Kaufleute aus Lübeck, Westfalen und Sachsen die zur Insel Gotland fuhren um dort Handel treiben zu einer Gemeinschaft zusammen. Sie nannten sich „Genossenschaft der Gotlandbesuchenden Kaufleute des römischen Reiches“ (Gemeinschaft der deutschen Gotlandfahrer). Diese Gruppe bot Schutz in einen gemeinsamen Handelsstützpunkt auf der Insel und in gemeinsamen Fahrten über das Meer. Sogar das Stadtsiegel von Lübeck zierte ein Abbild dieser Gemeinschaft und verdeutlichte somit deren Bedeutung. Es ist die Keimzelle der späteren Hanse. Über Gotland gelangten fortan Getreide, Holz, Wachs, Felle, Pelze aus dem Osten (Russland, baltische Länder) aus Nowgorod nach Lübeck. Die reichen Ressourcen Russlands konnten nun erstmalig erschlossen werden.

Die Schonenfahrer – Hering und Salz

Über die Jahre erlangte Lübeck Kontrolle über die reichen Vorkommen an Hering in Schonen. Einer Region am Öresund zwischen Kopenhagen und Malmö. Es stellte ausreichend Schiffsraum für den Abtransport bereit und mit dem Salz aus Lüneburg über den Stecknitzkanal konnten die Fische haltbar gemacht werden. Ein Exklusivvertrag zwischen beiden Städten über Salz Lieferungen besiegelte deren Reichtum. Gesalzener Hering aus den Manufakturen in Lübeck wurde zum Verkaufsschlager. Später wurde Salz auch erfolgreich als Druckmittel gegen das Durchsetzen eigener Interessen eingesetzt. Denn nur mit Salz konnten Lebensmittel im Mittelalter haltbar gemacht werden. Es war sprichwörtlich so wertvoll wie Gold.

Handelsrouten der Hanse

Handelsrouten über die Ostsee
Handelsrouten über die Ostsee

Der Großteil des Handels wurde damals nicht etwa über das Meer sondern über Landwege abgewickelt. Denn die meisten Hansestädte lagen im Inland. Von den Küstenstädten führten Seewege zu weit entfernten Handelsplätzen. So führte eine große Handelsroute über die Ostsee von Nowgorod in Russland über Visby auf Gotland nach Lübeck. Im Osten gab es große Reichtümer an Getreide, Holz, Wachs, Fellen und Pelzen die im Westen heiß begehrt waren. Auf der anderen Seite führte eine Route von Brügge über London und die Nordsee nach Hamburg. In England gab es Wolle und Felle und Flandern war berühmt für seine feinen Tuche. Aus Bergen in Norwegen gelangte Stockfisch und Fischöl in den Süden. Lüneburg war indes ein wichtiger Lieferant von Salz, dass über den Stecknitzkanal nach Lübeck gelangte. In Hamburg und Rostock wurde hingegen viel Bier gebraut und mit Schiffen in andere Länder exportiert.

Handelswaren der Hanse

  • Salz aus Lüneburg
  • Stockfisch und Fischöl aus Bergen
  • Pelze aus Nowgorod
  • Wein aus Köln
  • Bier aus Hamburg und Rostock
  • Getreide aus Danzig und Thorn
  • Heringe aus Visby
  • Tuche aus Brügge
  • Wolle aus London
  • Holz und Erze aus Kalmar

 




 

Kontore und Faktoreien

Gemeinschaftliche Fahrten mit anderen Händlern über das Meer boten Kaufleuten Schutz vor Piraten. Doch auch  in wichtigen Handelsstädten musste man sich zu behaupten wissen. So traten Kölner Kaufleute erstmals in London gemeinschaftlich auf. Folglich entstanden zahlreiche Handelsniederlassungen mit Gebäuden und Lagerhäusern genannten „Faktoreien“.

Beispiele für Faktoreien der Hanse:

  • Boston, King’s Lynn in England
  • Tønsberg in Norwegen
  • Åbo in Finnland
  • Bordeaux in Frankreich

Faktoreien sorgten für den reibungslosen Warenaustausch zwischen den Kaufleuten und der einheimischen Bevölkerung. Hierzu ließ man große Lager anlegen, um die Waren für den folgenden Transport über See vorzubereiten. Daneben gründete die Hanse zusätzlich vier sogenannte „Kontore“ an strategisch wichtigen Handelsorten. Diese großen Handelsstützpunkte standen direkt unter ihrer Kontrolle. Sie erhielten eine eigene Rechtsprechung und wurden von einem „Ältermann“ geführt.

Die vier Kontore der Hanse waren:

  • Peterhof in Nowgorod (Russland)
  • Deutsche Brück in Bergen (Norwegen)
  • Osterlingenhaus in Brügge (Belgien, Flandern)
  • Stalhof in London (England)
Hanse Kogge 14-16 Jahrhundert
Hanse Kogge 14-16 Jahrhundert

Schiffe der Hanse

Das klassische Schiff der Hanse war die Kogge aus dem 14. Jahrhundert. Ein bauchiges Segelschiff, dass für den Transport von Waren nahe dem Ufer von Nord- und Ostsee und auf Flüssen geeignet war. Die Kogge war ca. 7 Meter breit und 30 Meter lang und wurde in Klinkerbauweise errichtet. Mit dem großen quadratischen Rahsegel machte sie sechs Knoten Fahrt. Doch viel wichtiger war ihr großes Ladevolumen von bis zu 200 Tonnen. Später kamen noch weitere Schiffstypen mit mehr Segeln wie dem Holk und dem Kraweel hinzu.

Welche Farben stehen für die Hanse?

Häufig wurden die Schiffe der Händler mit der Flagge der Herkunfts-Stadt geschmückt. So ist erstmals 1270 von einem roten Wimpel „roden vlugher“ oder „Flüger“ an einem Handelsschiff aus Hamburg die Rede. Aus dem Jahr 1299 berichtete man hingegen erstmals von einem Wimpel aus Lübeck. Vereinzelt gab es jedoch auch Hinweise, dass weiß-rote Flagge aufgezogen wurden, die farbige Grundlage vieler Hansestädte. Viel Jahrhunderte später übernahm der Norddeutsche Bund 1867 diese Farben. Er kombinierte sie mit dem Preußischen weiß-schwarz zur Flagge des Deutschen Kaiserreich von 1871.

Beispiele für Flaggen von Hansestädten:

Kriegerische Konflikte

Das Hauptaugenmerk des Bundes war der Handel mit Waren und die Wahrung eigener Handelsprivilegien. Doch im Notfall konnte die Hanse auch eine große Streitmacht zu Land und zu Wasser aufbieten, um ihre Interessen durchzusetzen. So besiegte eine Koalition norddeutscher Städte den dänischen König Waldemar 1227 in der Schlaft von Bornhöved bei Neumünster. 1367 wurde dann der Dänische König Waldemar IV bei der Belagerung von Helsingborg bezwungen. Auch gegen Piraten die die Gewässer unsicher machten, ging man entschieden vor. Zwischen 1400 und 1401 wurden so Klaus Störtebeker und Gödeke Michels besiegt und hingerichtet. Sie hatten den Handel auf der Nordsee beeinträchtigt und Unterschlupf bei friesischen Fürsten gefunden.

Aufstieg der Hanse

Zwischen dem 13. und der Mitte des 15. Jahrhunderts war die Hanse führend im Warenaustausch zwischen dem Handelsraum der Ostsee und Nordsee. Ihr Erfolgsgeheimnis lag im Erkennen von Angebot und Nachfrage. So sicherten sie den Rohstoff- und Nahrungsmittelbedarf des Westen durch Importe aus dem durch die deutsche Kolonisation erschlossenen Osten im Baltikum. Hierzu gehörten Pelze, Wachs, Getreide, Fisch ebenso Flachs, Hanf, Holz und Holzbauprodukte wie Pech, Teer und Pottasche. Im Gegenzug brachten die Hansekaufleute dringend benötigte Fertigprodukte des Westens und Südens sowie Tuche, Metallwaren, Waffen, und Gewürze in den Osten. Die zentralen Handels- und Umschlagsplätze der Hanse waren die sogenannten „Kontore„. Mit der Zeit verdrängte die Hanse anderen Händler durch bessere Einkaufskonditionen, Steuerfreiheit und höhere Mengenabnahmen. Es entstanden Handelsmonopole für unterschiedliche Waren.

Backstein, Baustoff der Hanse

Backsteinbogen
Backsteinbogen

Der rote Backstein gab der Hanse über Jahrhunderte ihr Gesicht und hinterließ eindrucksvolle Bauwerke für Generationen. Mit Backstein aus Lehm konnten standfeste Mauern, hohe Kirchen und mächtige Burgen gebaut werden. Insbesondere in Norddeutschland, wo es kaum natürliche Steinvorkommen gab, war Backstein der Baustoff der ersten Wahl. Mit der Zeit entwickelten sich die Bauherren zu wahren Meistern ihres Fachs. So entstand im Ostseeraum aus der Stilrichtung Gotik mit Hilfe des Backstein die Sonderform “Backsteingotik”. Eines ihrer Meisterwerke schufen Bauherren mit der Marienkirche in Lübeck. Diese wird auch aus Mutter der Backsteingotik bezeichnet und diente vielen anderen Gotteshäusern als Vorbild.

Wer gehörte alles zur Hanse?

In ihrer Blütezeit umfasste die Hanse 200 See- und Binnenstädte in Nordeuropa. Die meisten Hansestädte lagen in Nordrhein-Westfalen sowie Nord- und Ostdeutschland. Hauptsächlich handelte es sich um Städte im Binnenland. Doch auch an den Küsten der Ostsee in Polen, Lettland, Estland, Russland, Finnland und Schweden gab es Hansestädte. Der zweite Große Handelsraum umfasste die Nordsee mit Hansestädten in den Ländern von Norwegen, England, Belgien und den Niederlanden.

Hansetage

Buchtipp: Hanse anschaulich
Buchtipp: Hanse anschaulich

Der allgemeine Hansetag (gesamthansische Tagfahrt) war das höchste Gremium der Hanse. Hier wurden alle wichtigen Angelegenheiten geklärt und Beschlüsse gefasst. Doch nur zirka 70 der rund 200 Hansestädte betrieben aktiv Hanse Politik. Alle weiteren ließen sich am Hansetag durch eine andere Stadt vertreten. Dabei war der Hansetag ein sehr lockeres Gebilde, juristisch gesehen sogar ein Kuriosum. Denn nach der Rechtslage war das Städtebündnis überhaupt nicht existent.

Themen auf einem Hansetag

  • Wirtschaftssanktionen
  • Bestätigungen von Verträgen
  • Kriegerische Akte und Blockaden
  • Handelsprivilegien
  • Aufnahme und Ausschluss von Mitgliedern
  • Diplomatie
  • Schlichtung und Beratung

Doch obwohl der Hansetag das Gremium für Beschlüsse der hansischen Städte war, gab es weder einen Etat, noch eine Satzung und schon gar kein Verein und oder schriftlichen Vertrag. Der erste Hansetag fand am 2. Februar 1356 in Lübeck statt. Er markierte gleichzeitig auch den Übergang von der Kaufmannshanse zur „Städtehanse„. Der letzte Hansetag fand am 29. Mai 1669 abermals in Lübeck statt. Lediglich neun Städte nahmen daran noch Teil. Nachdem die Hanse der Neuzeit im Jahr 1980 in Zwolle ins Leben gerufen wurde, finden auch wieder jährliche Hansetage statt.

Das Lübecker Stadtrecht wird maßgebend für alle Hansestädte

Kurz nach der Gründung erhielt Lübeck im Jahr 1160 das Soester Stadtrecht. Das erste aufgezeichnet Stadtrecht in Deutschland überhaupt. Mit der Zeit entwickelten die Lücker hieraus ihre eigene Version genannt „Lübecker Stadtrecht„. Beim „Lübeckisches Recht“ flossen Inhalte aus dem Westfälischen, dem Holsteiner Landrecht sowie dem Seerecht ein. Später übernahmen über 100 Städte aus dem gesamten Ostseeraum dieses Stadtrecht. Die höchste Instanz für das Lübecker Stadtrecht war seit dem 13. Jahrhundert der Oberhof von Lübeck.

Niedergang der Hanse

Klaus Störtebeker
Klaus Störtebeker

Die Blütezeit der Bund reichte bis zum Anfang des 15. Jahrhundert. Ab dann war das Wirtschaftsbündnis vom Niedergang betroffen. Seeräuber wie Klaus Störtebeker trieben in Nord- und Ostsee ihr Unwesen. Die Handelsströme verlagerten sich durch die Entdeckung von Amerika auf das Mittelmeer und den Atlantik. Aber auch die Entstehung eines weltweiten Seehandels, die Eingriffe der Fürsten und die Stärkung der Monarchien ließen die Bedeutung der Hanse stark zurückgehen. Mit dem Dreißigjährigen Krieg war die Hanse dann praktisch verschwunden. Der letzte Hansetag fand im Jahr 1669 statt. Formell wurde das Wirtschaftsbündnis aber nie ganz aufgelöst. Kurz vor der Liquidierung der Hanse gehörten nur noch Lübeck, Hamburg und Bremen dem Bund an. Nach dem Niedergang der Hanse im 17. Jahrhundert gingen die Angehörigen der Oberschicht der drei verbleibenden Städte dazu über, sich als „Hanseaten“ zu bezeichnen.

Gründe für den Niedergang der Hanse:

  • Verlagerung der Handelsströme auf Landwege, das Mittelmeer, den Atlantik und den Indischen Ozean
  • Technologischer Rückstand beim Schiffbau gegenüber den Niederlanden
  • Verspätete flächendeckende Einführung der Doppelten Buchführung nach Soll und Haben
  • Erstarken der Territorialmächte und Fürsten
  • Ausbleibende Wachstumsimpulse durch zu wenige Banken und Kapitalgeber
  • Konkurrenz durch weltweit agierende Handelsunternehmen wie die Fugger und die Medici
  • Reformstau und Unstimmigkeiten zwischen den Hansestädten
  • Rückgang der Vorkommen an Heringen und erstarken der Fischereiflotte der Niederlande

Rückbesinnung auf die Hanse

Hansa Keks von Wikana
Hansa Keks von Wikana

In der wilhelminischen Zeit des 20. Jahrhunderts besann man sich zurück auf die alten Tugenden der Hanse. Viele Firmen-Neugründungen und Produkte zierten fortan den Namen „Hansa“, der latinisierten Form von Hanse. Beispiele hierfür sind die Lufthansa, Hansaplast Pflaster, der FC Hansa Rostock, das Hansaviertel in Berlin, der Hansa Keks von Wikana, das Dortmunder Hansa Bier, die Dampfbäckerei Hansa (jetzt Junge Bäcker), die Hansabank (jetzt Swedbank), die Hansa Kartoffel, Hansa Armaturen oder das Hansa-Gymnasium in der Hansestadt Stralsund, um nur einige zu nennen.

Die heutige Hanse

Hanse der Neuzeit
Hanse der Neuzeit

In den 80ger Jahren fanden sich die einstigen Hansestädte neu zusammen und gründeten die „Hanse der Neuzeit„. Der neue Bund umfasst mittlerweile stolze 192 Städte, die einen jährlichen Hansetag jeweils in einer anderen Stadt durchführen. Der erste Hansetag der Neuzeit fand 1980 in Zwolle (Niederlande) statt. Die Tätigkeit umfasst Wahrung und Pflege von Traditionen, Wirtschafts- und Netzwerkförderung als auch der Tourismus. Der Sitz des weltweit größten und freiwilligen Städtenetzwerk liegt im Rathaus von Lübeck. Links siehst du eine Gedenktafel an den Hansetag der Neuzeit von 1994 in der Hansestadt Stade an der Schwinge.

Heutige Hanse Vereinigungen:

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