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Die Hanse

Die Hanse – Darum war die Handelsgemeinschaft so erfolgreich

Die Hanse war ein Bund von reisenden Kaufleuten, später auch europäischen Städten im Nord- und Ostseeraum zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert. Den Kern bildete die Hansestadt Hamburg, Bremen und Lübeck. Dennoch lag der Großteil der Hansestädte nicht am Meer sondern im heutigen Nordrhein-Westfalen. Zu ihren besten Zeiten waren nahezu 200 europäische Städte Mitglied der Hanse. Doch warum war die verschworene Handelsgemeinschaft eigentlich so erfolgreich?

Der Begriff „Hanse“ – Was ist die Hanse einfach erklärt?

Das Wort „Hanse“ leitet sich vom althochdeutschen Wort „Hansa“ für Gruppe oder Gemeinschaft ab. Der Begriff „Hanse“ ist wiederrum eine Übersetzung aus dem Mittelalter für das latainische Wort „cohors“ für „Bund“ „Gefolge“ oder „Schar„. Andere, aber nicht weniger selten genutzte Begriffe waren „Düdesche Hanse“ oder „Deutsche Hanse“ (auf Latein „Hansa Teutonica“). Teutonica leitet sich von „Teutonen“ ab, einem germanisches Volk der Antike aus dem heutigen Jütland in Dänemark. Eine zweite Verwendung für das Wort „Hanse“ (auch „hense“ beziehungsweise „henze“) war das Entgelt, das Kaufleute und Städte zahlen mussten, wenn sie der Hanse beitraten. Die Mitgliedschaft bot viele Vorteile. Darunter Zollfreiheit, Handelsprivilegien sowie militärischer Schutz. Die Angelegenheiten der Hanse wurden allgemein als „hansisch“ bezeichnet. Mitglieder der Hanse hießen hingegen „Hansekaufleute„.

Das Wort „Hanse“ leitet sich vom Begriff „Bund“, „Gefolge“ oder „Schar“ ab.

 

   

Das Artlenburger Privileg – Geburtsstunde der Hanse

Artlenburger Privileg
Artlenburger Privileg

Die Urkunde des Artlenburger Privileg feierte am 27. und 28. August 2011 ihren 850 Jahrestag. Es war ein geschichtsträchtiges Ereignis von großer Tragweite auf dem Landtag der Ertheneburg 1161 in Artlenburg. Damals am Elbübergang gewährte Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, den dänischen Händlern der Insel Gotland die gleichen Handelsrechte in Sachsen und den Hafen von Lübeck wie den deutschen Händlern auf Gotland. Es war ein schriftlich fixiertes Abkommen, das bereits zuvor unter Lothar III. zugesagt wurde. Das bilaterale Abkommen gilt als erster Handelsvertrag der Geschichte und besiegelte auch die vorherige, blutige Fehde der beiden Parteien. Fortan konnten Händler ungehindert miteinander Handel treiben und genossen dazu noch Zollfreiheit, Schutz und Frieden. Folglich kann die von Heinrich geförderte sowie erste Ostseestadt Lübeck als „Mutter der Hanse“ bezeichnet werden.

Lubeke, die Mutter der Hanse entsteht

Lübecks Handelsrouten
Lübecks Handelsrouten

Im Jahre 1143 wurde die Stadt Lübeck auf dem Hügel Buku, auf einer ehemaligen wendischen Burg zwischen Trave und Wakenitz gegründet. Initiator war Graf Adolf II., Graf von Schauenburg und Holstein. Er übernahm mit „Liubice“ auch gleich den Namen des Handelsortes, der weiter nördlich bis zur Zerstörung 1138 hier stand. In der folgenden Zeit erhielt Liubice oder „Lübeck“ das Soester Stadtrecht sowie im Jahr 1160 das wichtige Artlenburger Privileg von 1161. Historiker nennen das Jahr 1160 als Beginn der eigentlichen „Kaufmannshanse„. Denn mit den gemeinsamen Fahrten vieler Händler über die Ostsee kam der Handel erst so richtig in Schwung. Als erste Ostseestadt wurde „Lubeke“ im Jahr 1163 auch Sitz des Bistum und man begann mit dem Bau des Doms. Viele Menschen zogen in die Stadt, insbesondere auch Händler aus dem heutigen Nordrhein-Westfalen. Durch Sie blühte der Handel weiter auf.

Ein sicherer Handelszugang entsteht

Mit der Gewährung der Reichsfreiheit durch Kaiser Friedrich II. wurde Lübeck auch die Reichsfreiheit garantiert. Fortan konnte sich die Stadt an der Trave selbst regieren. Doch schon im Jahr 1241 hatte Lübeck mit Hamburg einen Vertrag unterschrieben (1230 bereits zugesichert), in dem die Freundschaft der beiden Städte sowie die gegenseitige Unterstützung festgelegt wurde. In der Folge bot sich Händlern ein sicherer Korridor nach Lübeck und somit zum Hafen an der Ostsee. Von dort konnte man über das Meer mit anderen Ländern Handel treiben, also Waren kaufen und verkaufen. Doch noch wurde der Ostseehandel von der schwedischen Stadt Visby auf Gotland dominiert. Bis zur Eroberung der Insel durch den Dänenkönig Waldemar IV. war Visby auch der Hauptort der Hanse. Erst mit der Rückeroberung unter der Führung Lübecks und dem Frieden von Stralsund im Jahr 1370 wurde Lübeck zur inoffiziellen Hauptstadt der Hanse.

Der Wendische Bund war der Vorläufer der Deutschen Hanse

Zum Schutz der Handelswege auf dem Meer und auf dem Land vereinbarten die Hansestädte in Deutschland LübeckStralsundWismarKiel und Rostock im Jahr 1259 ein Bündnis. Dieser „Wendische Bund“ gilt als Vorläufer der Deutschen Hanse. Der Begriff „Wenden“ ist ein althochdeutsches Wort für die Bevölkerungsgruppe der Slawen im deutschsprachigen Raum, insbesondere aber entlang und östlich der Elbe. Später folgten weitere Städte diesem Bund, so auch Anklam, Stettin, Lüneburg und Greifswald. Parallel dazu entstand in Nordrhein-Westfalen der „Westfälische Bund„. Städte wie Dortmund, Münster oder Osnabrück zählten dazu. Später wurden auch diese Orte Teil der Hanse.

   

Die Gemeinschaft der Gotlandfahrer ist die Keimzelle der Hanse

Bei Thalia bestellen: Die Hanse
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Schon früh schlossen sich Kaufleute aus Lübeck, Westfalen und Sachsen die zur Insel Gotland fuhren um dort Handel treiben zu einer Gemeinschaft zusammen. Sie nannten sich „Genossenschaft der Gotlandbesuchenden Kaufleute des römischen Reiches“ (Gemeinschaft der deutschen Gotlandfahrer). Diese Gruppe bot Schutz in einen gemeinsamen Handelsstützpunkt auf der Insel und in gemeinsamen Fahrten über das Meer. Sogar das Stadtsiegel von Lübeck zierte ein Abbild dieser Gemeinschaft und verdeutlichte somit deren Bedeutung. Es ist die Keimzelle der späteren Hanse (englisch „Hanseatic League“). Über Gotland gelangten fortan Getreide, Holz, Wachs, Felle, Pelze aus dem Osten (Russland, baltische Länder) aus Nowgorod nach Lübeck. Die reichen Ressourcen Russlands konnten nun erstmalig erschlossen werden.

Die Schonenfahrer – Hering und Salz

Über die Jahre erlangte Lübeck Kontrolle über die reichen Vorkommen an Hering in Schonen. Einer Region am Öresund zwischen Kopenhagen und Malmö. Es stellte ausreichend Schiffsraum für den Abtransport bereit und mit dem Salz aus Lüneburg über den Stecknitzkanal konnten die Fische haltbar gemacht werden. Ein Exklusivvertrag zwischen beiden Städten über Salz Lieferungen besiegelte deren Reichtum. Gesalzener Hering aus den Manufakturen in Lübeck wurde zum Verkaufsschlager. Später wurde Salz auch erfolgreich als Druckmittel gegen das Durchsetzen eigener Interessen eingesetzt. Denn nur mit Salz konnten Lebensmittel im Mittelalter haltbar gemacht werden. Es war sprichwörtlich so wertvoll wie Gold.

Handelsrouten der Hanse

Handelsrouten über die Ostsee
Handelsrouten über die Ostsee

Der Großteil des Handels wurde damals nicht etwa über das Meer sondern über Landwege abgewickelt. Denn die meisten Hansestädte lagen im Inland. Von den Küstenstädten führten Seewege zu weit entfernten Handelsplätzen. So führte eine große Handelsroute über die Ostsee von Nowgorod in Russland über Visby auf Gotland nach Lübeck. Im Osten gab es große Reichtümer an Getreide, Holz, Wachs, Fellen und Pelzen die im Westen heiß begehrt waren. Auf der anderen Seite führte eine Route von Brügge über London und die Nordsee nach Hamburg. In England gab es Wolle und Felle und Flandern war berühmt für seine feinen Tuche. Aus Bergen in Norwegen gelangte Stockfisch und Fischöl in den Süden. Lüneburg war indes ein wichtiger Lieferant von Salz, dass über den Stecknitzkanal nach Lübeck gelangte. In Hamburg und Rostock wurde hingegen viel Bier gebraut und mit Schiffen in andere Länder exportiert.

Handelswaren der Hanse

  • Salz aus Lüneburg
  • Stockfisch und Fischöl aus Bergen
  • Pelze aus Nowgorod
  • Wein aus Köln
  • Bier aus Hamburg und Rostock
  • Getreide aus Danzig und Thorn
  • Heringe aus Visby
  • Tuche aus Brügge
  • Wolle aus London
  • Holz und Erze aus Kalmar




Die Faktoreien der Hanse

Gemeinschaftliche Fahrten mit anderen Händlern über das Meer boten Kaufleuten Schutz vor Piraten. Doch auch  in wichtigen Handelsstädten musste man sich zu behaupten wissen. So traten Kölner Kaufleute erstmals in London gemeinschaftlich auf. Folglich entstanden zahlreiche Handelsniederlassungen mit Gebäuden und Lagerhäusern genannten „Faktoreien„. Faktoreien sorgten insgesamt für den reibungslosen Warenaustausch und -Logistik zwischen den Kaufleuten und der einheimischen Bevölkerung. Hierzu ließ man große Lager anlegen, um die Waren für den folgenden Transport über See vorzubereiten. Geleitet wurden die Faktoreien durch den „Faktorist“ oder „Faktor“, einem Leiter, der direkt der Hanse (Prinzipal) unterstellt war.

Die Faktoreien der Hanse waren:

  • Boston, King’s Lynn in England
  • Newcastle in England
  • Lynn in England
  • Ipswich in England
  • Tønsberg in Norwegen
  • Oslo in Norwegen
  • Åbo in Finnland
  • Lodöse in Schweden
  • Ystad in Schweden
  • Kolmar in Schweden
  • Bordeaux in Frankreich
  • Edinburgh in Schottland
  • Gent in Belgien
  • Kaunas in Litauen
  • Pskow in Russland
  • Smolensk in Russland

Die Kontore der Hanse

Hanse Kontor - Stalhof in London
Hanse Kontor – Stalhof in London

Eines der bemerkenswertesten Merkmale der Hanse waren ihre vier großen Auslandsniederlassungen, genannt „Kontor„. Die vier Kontore standen direkt unter Kontrolle der Hanse und lagen in den Orten London, Nowgorod, Antwerpen und Bergen. Sie dienten als Handelsstützpunkte, Schutzort für Kaufleute, diplomatische Vertretung der Hanse und spielten somit eine wichtige Rolle im Wachstum und der Organisation des Handels. Gegründet wurden sie an besonders wichtigen Handelsrouten und Hafenstädten um den Austausch von Waren und Informationen zu erleichtern.

Die Hanse nutzte ihre Kontore auch als Plattformen für den Austausch von Informationen und Wissen. Die Hansekaufleute bildeten ein Netzwerk von Händlern und hielten regelmäßige Treffen und Versammlungen in den Kontoren ab. Hierbei wurde über Handelsstrategien, Markttrends und andere relevante Informationen diskutiert. Der Austausch von Wissen, Kultur und Informationen trug zur Stärkung der Position der Hanse auf dem europäischen Handelsmarkt bei.

Daneben sollten die Handelsstützpunkte die Interessen der Hanse gegenüber anderen Mächten wahren. Ebenso stand die die Kontrolle der Kaufleute in den Kontoren auf dem Tagesplan. Diese mussten sich unter Eid den Regeln der Kontor Gemeinschaft unterwerfen. Dafür genossen sie besondere Handelsfreiheiten. Das Kontor war eine eigenständige juristische Person (communis mercator hanse) dem die Händler unterstanden. Mit einer eigenen Rechtsprechung, einen eigenen Kasse und Siegel und wurden das Kontor von einem „Ältermann“ (Oldermänner oder comes hansae) geführt. Diesen Aufseher wählten die ansässigen Kaufleuten.

Die Kontore in Bergen und Brügge

Eines der bekanntesten Kontore der Hanse war das Kontor in Bergen, Norwegen. Bergen war ein bedeutender Handelshafen für den Handel mit Stockfisch. Stockfisch, Felle und Holz wurden von den Kaufleuten der Hanse in Bergen eingekauft. Im Gegenzug verkauften Sie Salz, Bier und Getreide. Das Kontor an der „Deutschen Brücke“ (Tyske Brüggen) spielte eine entscheidende Rolle beim Austausch von Waren zwischen Nordeuropa und dem Rest Europas. Lang Zeit hielt die Handelsgemeinschaft hier ein Monopol auf Stockfisch. Die einstigen Lagerhäuser aus Holz sind heute ein beliebtes Touristenziel.

Ein weiteres prominentes Kontor der Hanse befand sich in Brügge, Flandern, Belgien. Das malerische Brügge, war ein bedeutendes Handelszentrum für Tuch und Textilien und zog Händler aus ganz Europa an. Das Kontor „Osterlingenhaus“ war ein wichtiger Ort für den Handel mit Textilien. In dem hauseigenen Lager wickelten Sie ihre Geschäfte ab. Die Altstadt von Brügge am Fluss Reie gehört seit 2000 zum UNESCO Weltkulturerbe.

Die vier Kontore der Hanse:

  • Peterhof in Nowgorod (Russland)
  • Deutsche Brücke (Tyske Brüggen) in Bergen (Norwegen)
  • Osterlingenhaus in Brügge (Belgien, Flandern)
  • Stalhof in London (England)
Hanse Kogge 14-16 Jahrhundert
Hanse Kogge 14-16 Jahrhundert

Schiffe der Hanse

Das klassische Schiff der Hanse war die „Kogge“ aus dem 14. Jahrhundert. Ein bauchiges Segelschiff, dass für den Transport von Waren nahe dem Ufer von Nord- und Ostsee und auf Flüssen geeignet war. Die Kogge war ca. 7 Meter breit und 30 Meter lang und wurde in Klinkerbauweise errichtet. Mit dem großen quadratischen Rahsegel machte sie sechs Knoten Fahrt. Doch viel wichtiger war ihr großes Ladevolumen von bis zu 200 Tonnen. Später kamen noch weitere Schiffstypen mit mehr Segeln wie dem „Holk“ und dem „Kraweel“ hinzu.

Welche Farben stehen für die Hanse?

Weiß und rot sind die Farben der Hanse. Häufig wurden die Schiffe der Händler mit der Flagge der Herkunfts-Stadt geschmückt. So ist erstmals 1270 von einem roten Wimpel „roden vlugher“ oder „Flüger“ an einem Handelsschiff aus Hamburg die Rede. Aus dem Jahr 1299 berichtete man hingegen erstmals von einem Wimpel aus Lübeck. Vereinzelt gab es jedoch auch Hinweise, dass weiß-rote Flagge aufgezogen wurden, die farbige Grundlage vieler Hansestädte. Viele Jahrhunderte später übernahm der Norddeutsche Bund 1867 diese Farben. Er kombinierte sie mit dem Preußischen weiß-schwarz zur Flagge des Deutschen Kaiserreich von 1871.

Beispiele für Flaggen von Hansestädten:

Kriegerische Konflikte

Das Hauptaugenmerk des Bundes war der Handel mit Waren und die Wahrung eigener Handelsprivilegien. Doch im Notfall konnte die Hanse auch eine große Streitmacht zu Land und zu Wasser aufbieten, um ihre Interessen durchzusetzen. So besiegte eine Koalition norddeutscher Städte den dänischen König Waldemar 1227 in der Schlaft von Bornhöved bei Neumünster. 1367 wurde dann der Dänische König Waldemar IV bei der Belagerung von Helsingborg bezwungen. Auch gegen Piraten die die Gewässer unsicher machten, ging man entschieden vor. Zwischen 1400 und 1401 wurden so Klaus Störtebeker und Gödeke Michels besiegt und hingerichtet. Sie hatten den Handel auf der Nordsee beeinträchtigt und Unterschlupf bei friesischen Fürsten gefunden.

Aufstieg der Hanse

Zwischen dem 13. und der Mitte des 15. Jahrhunderts war die Hanse führend im Warenaustausch zwischen dem Handelsraum der Ostsee und Nordsee. Ihr Erfolgsgeheimnis lag im Erkennen von Angebot und Nachfrage. So sicherten sie den Rohstoff- und Nahrungsmittelbedarf des Westen durch Importe aus dem durch die deutsche Kolonisation erschlossenen Osten im Baltikum. Hierzu gehörten Pelze, Wachs, Getreide, Fisch ebenso Flachs, Hanf, Holz und Holzbauprodukte wie Pech, Teer und Pottasche. Im Gegenzug brachten die Hansekaufleute dringend benötigte Fertigprodukte des Westens und Südens sowie Tuche, Metallwaren, Waffen, und Gewürze in den Osten. Die zentralen Handels- und Umschlagsplätze der Hanse waren die sogenannten „Faktoreien“ und „Kontore„. Mit der Zeit verdrängte die Hanse anderen Händler durch bessere Einkaufskonditionen, Steuerfreiheit und höhere Mengenabnahmen. Es entstanden Handelsmonopole für unterschiedliche Waren.

Darum war die Hanse so erfolgreich:

  • Schutz vor Piraten – Durch gemeinsame Fahrten über das Meer wurde der Transport von Waren sicherer. Es kam seltener zum Verlust der Ladung.
  • Schutz vor Großmächten – Bei Gefahr konnte die Hanse eine Streitmacht oder Flotte mobilisieren, wie geschehen gegen den König von Dänemark.
  • Günstige Einkaufskonditionen – Durch den gemeinsamen Einkauf von Waren konnten Mengenrabatte beim Preis erzielt werden. Mit unter entstanden sogar Monopole wie beim Stockfisch.
  • Einheitliches Recht – Die Einführung des Lübecker Stadtrecht in vielen Städten der Hanse führte zum Aufbau eines einheitlichen Rechtssystem mit verlässlichen Gesetzen, einer Rechtsprechung. Das letzte Wort hatte der Oberhof in Lübeck.
  • Einheitliches Geld – Viele Städte schlossen sich dem Wendischen Münzverein an und führten die Lübische Mark als einheitliches Zahlungsmittel ein. Nach Ende des Münzverein war der Taler das Hauptzahlungsmittel. Durch ein gemeinsames Geldmittel entfiel der Aufwand und die Unsicherheit, Währungen tauschen zu müssen.
  • Freihandel – Der Handel innerhalb der Mitgliedsstädte der Hanse erfolgte ohne Zölle oder Abgaben, wodurch der Handel erblühte.

Backstein – der Baustoff der Hanse

Backsteinbogen
Backsteinbogen

Der rote Backstein gab der Hanse über Jahrhunderte ihr Gesicht und hinterließ eindrucksvolle Bauwerke für Generationen. Mit Backstein aus Lehm konnten standfeste Mauern, hohe Kirchen und mächtige Burgen gebaut werden. Insbesondere in Norddeutschland, wo es kaum natürliche Steinvorkommen gab, war Backstein der Baustoff der ersten Wahl. Mit der Zeit entwickelten sich die Bauherren zu wahren Meistern ihres Fachs. So entstand im Ostseeraum aus der Stilrichtung Gotik mit Hilfe des Backstein die Sonderform “Backsteingotik”. Eines ihrer Meisterwerke schufen Bauherren mit der Marienkirche in Lübeck. Diese wird auch aus Mutter der Backsteingotik bezeichnet und diente vielen anderen Gotteshäusern als Vorbild.

Welche Städte gehörten zur Hanse?

In ihrer Blütezeit umfasste die Hanse rund 200 Orte in Nord- und Osteuropa. Von den Küsten der Ostsee in Polen, Lettland, Estland, Russland, Finnland bis hin nach Schweden gab es Hansestädte. Der zweite große Handelsraum umfasste die Nordsee mit Hansestädten in den Ländern von Norwegen, England, Belgien und den Niederlanden. Die meisten Hansestädte lagen jedoch nicht am Meer, sondern im Binnenland. Insbesondere in Nordrhein-Westfalen sowie Nord- und Ostdeutschland. Die Zahl der Hansestädte in Deutschland lag zwischenzeitlich bei rund 100 Orten. Im Laufe der Zeit, schlossen sich neue Orte dem Handelsbündnis an, andere verließen es wieder. Heute tragen in Deutschland wieder 27 Städte das vorgestellte „H“ für Hansestadt in ihrem KFZ-Zeichen.

Die größten Hansestädte in Deutschland sind:

Hansetage

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Der allgemeine Hansetag (gesamthansische Tagfahrt) war das höchste Gremium der Hanse. Hier wurden alle wichtigen Angelegenheiten geklärt und Beschlüsse gefasst. Dabei wechselten die Tagungsorte immer wieder, auch wenn die meisten Tage in Lübeck stattfanden. Jedoch betrieben nur rund 70 der rund 200 Hansestädte aktiv Hanse Politik und nahmen die weite Reise zum jeweiligen Hansetag auf sich. Alle weiteren Orte ließen sich am Hansetag durch eine andere Stadt vertreten. Dabei war der Hansetag ein sehr lockeres Gebilde, juristisch gesehen sogar ein Kuriosum. Denn nach der Rechtslage war das Städtebündnis überhaupt nicht existent.

Themen auf dem Hansetag

  • Wirtschaftssanktionen
  • Bestätigungen von Verträgen
  • Kriegerische Akte und Blockaden
  • Handelsprivilegien
  • Aufnahme und Ausschluss von Mitgliedern
  • Diplomatie
  • Schlichtung und Beratung

Doch obwohl der Hansetag das Gremium für Beschlüsse der hansischen Städte war, gab es weder einen Etat, noch eine Satzung und schon gar kein Verein und oder schriftlichen Vertrag. Der erste Hansetag fand am 2. Februar 1356 in Lübeck statt. Er markierte gleichzeitig auch den Übergang von der Kaufmannshanse zur „Städtehanse„. Der letzte Hansetag fand am 29. Mai 1669 abermals in Lübeck statt. Lediglich neun Städte nahmen daran noch Teil. Nachdem die Hanse der Neuzeit im Jahr 1980 in Zwolle ins Leben gerufen wurde, finden auch wieder jährliche Hansetage statt.

Das Lübecker Stadtrecht wird maßgebend für alle Hansestädte

Kurz nach der Gründung erhielt Lübeck im Jahr 1160 das Soester Stadtrecht. Das erste aufgezeichnet Stadtrecht in Deutschland überhaupt. Mit der Zeit entwickelten die Lücker hieraus ihre eigene Version genannt „Lübecker Stadtrecht„. Beim „Lübeckisches Recht“ flossen Inhalte aus dem Westfälischen, dem Holsteiner Landrecht sowie dem Seerecht ein. Später übernahmen über 100 Städte aus dem gesamten Ostseeraum dieses Stadtrecht. Das einheitliche Rechtssystem war in der Folge förderlich die Entwicklung und den Handel. Die höchste Instanz für das Lübecker Stadtrecht war seit dem 13. Jahrhundert der Oberhof von Lübeck.

Niedergang der Hanse

Klaus Störtebeker
Klaus Störtebeker

Die Blütezeit des Bund reichte bis zum Anfang des 15. Jahrhundert. Ab dann war das Wirtschaftsbündnis vom Niedergang betroffen. Seeräuber wie Klaus Störtebeker trieben in Nord- und Ostsee ihr Unwesen. Die Handelsströme verlagerten sich durch die Entdeckung von Amerika auf das Mittelmeer und den Atlantik. Aber auch die Entstehung eines weltweiten Seehandels, die Eingriffe der Fürsten und die Stärkung der Monarchien ließen die Bedeutung der Hanse stark zurückgehen. Mit dem Dreißigjährigen Krieg war die Hanse dann praktisch verschwunden. Der letzte Hansetag fand im Jahr 1669 statt. Formell wurde das Wirtschaftsbündnis aber nie ganz aufgelöst. Kurz vor der Liquidierung der Hanse gehörten nur noch Lübeck, Hamburg und Bremen dem Bund an. Nach dem Niedergang der Hanse im 17. Jahrhundert gingen die Angehörigen der Oberschicht der drei verbleibenden Städte dazu über, sich als „Hanseaten“ zu bezeichnen.

Gründe für den Niedergang der Hanse:

  • Verlagerung der Handelsströme auf Landwege, das Mittelmeer, den Atlantik und den Indischen Ozean
  • Technologischer Rückstand beim Schiffbau gegenüber den Niederlanden
  • Verspätete flächendeckende Einführung der Doppelten Buchführung nach Soll und Haben
  • Erstarken der Territorialmächte und Fürsten
  • Ausbleibende Wachstumsimpulse durch zu wenige Banken und Kapitalgeber
  • Konkurrenz durch weltweit agierende Handelsunternehmen wie die Fugger und die Medici
  • Reformstau und Unstimmigkeiten zwischen den Hansestädten
  • Rückgang der Vorkommen an Heringen und erstarken der Fischereiflotte der Niederlande

Rückbesinnung auf die Hanse

Hansa Keks von Wikana
Hansa Keks von Wikana

Während der wilhelminischen Zeit im 20. Jahrhundert, besann man sich zurück auf die alten Tugenden der Hanse. Viele Firmen-Neugründungen und Produkte zierten fortan den Namen „Hansa„, der latinisierten Form von Hanse. Beispiele hierfür sind die Lufthansa, Hansaplast Pflaster, der FC Hansa Rostock, das Hansaviertel in Berlin, der Hansa Keks von Wikana, das Dortmunder Hansa Bier, die Dampfbäckerei Hansa (jetzt Junge Bäcker), die Hansabank (jetzt Swedbank), die Hansa Kartoffel, Hansa Armaturen oder das Hansa-Gymnasium in der Hansestadt Stralsund, um nur einige zu nennen.

Die heutige Hanse – Was ist die Hanse heute?

Hanse der Neuzeit
Hanse der Neuzeit

In den 80ger Jahren fanden sich die einstigen Hansestädte neu zusammen und gründeten die „Hanse der Neuzeit„. Der neue Bund umfasst mittlerweile stolze 192 Städte, die einen jährlichen Hansetag jeweils in einer anderen Stadt durchführen. Der erste Hansetag der Neuzeit fand 1980 in Zwolle (Niederlande) statt. Die Tätigkeit umfasst Wahrung und Pflege von Traditionen, Wirtschafts- und Netzwerkförderung als auch der Tourismus. Der Sitz des weltweit größten und freiwilligen Städtenetzwerk liegt im Rathaus von Lübeck. Links siehst du eine Gedenktafel an den Hansetag der Neuzeit von 1994 in der Hansestadt Stade an der Schwinge.

Heutige Hanse Vereinigungen:

Christoph Janß

Hallo, ich bin Chris, Tourismus Blogger und Hobbyfotograf aus dem schönen Hamburg. Ich habe ein Faible für Geschichte, Architektur sowie Naturaufnahmen. Als Freelancer und Marketer helfe ich Kunden bei ihrem Marketing.
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