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Backstein Der rote Baustoff der Hanse

Der rote Backstein hat der Hanse über Jahrhunderte Ihr Gesicht gegeben und eindrucksvolle Bauwerke für Generationen hinterlassen.

Klassischer Backstein im Klosterformat
Klassischer Backstein im Klosterformat

Geschichte des Backsteins

Lehmziegel wurden bereits zum Bau früher Siedlungen in der Jungsteinzeit verwendet (8.000 – 10.000 vor Christus). Gegenüber (ungeformten) Wänden aus Lehm hatten Ziegelsteine mehrere Vorteile.

Hier eine Auswahl der Vorteile:

  • Sie konnten gestapelt werden und waren somit leichter zu transportieren,
  • waren fest und sehr stabil
  • und man benötigte für den Bau mit Ziegeln keine Schalung aus Holz.

Die ersten Ziegel wurden per Hand geformt und waren daher unregelmäßig. Erst in Mesopotamien, im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris, wurden um 6.300 v. Chr. die ersten gleichmäßigen Ziegel erstellt. Hierzu verwendete man Formschablonen aus Holz, die mit Lehm gefüllt wurden. Das überschüssige Material wurde abgestrichen und der Inhalt gestürzt. Anschließend wurden die Ziegel-Rohlinge dann in der Sonne getrocknet. Erst 3.000 Jahre später führt man das Brennen von Ziegel-Rohlingen in Brennöfen ein.

Blick über die Backsteingebäude von Wismar
Blick über die Backsteingebäude von Wismar

Backstein wird zum Baustein der Hanse

Zur Zeit der Antike (800 bis 600 v. Chr.) war das Bauen mit Backstein in Europa noch nicht sehr verbreitet. Erst durch die Römer gewann der Baustoff mehr und mehr an Bedeutung. Mit der Ausbreitung des Römischen Reichs um 100 v. Chr. wuchs der Bedarf an Baumaterial sprunghaft an. In der Folge wurden überall im Reich Ziegel hergestellt. Sogar die Legionäre der Römischen Armee stellten diesen Baustoff in provisorischen Feldziegeleien in ihren Legionslagern her. Zusammen mit der Erfindung des Mörtels (opus caementitium, Bestandteile: 1 Teil Kalk sowie 3 Teile Quarz, Grauwacke, Sandstein, Tuff oder Ziegelbruchstücke), ebenfalls durch die Römer, ergab sich so eine langlebige und solide Baumaterial-Kombination. In einem zweiten Schritt wurden die Mauerwerke häufig noch verputzt. Typische römische Backsteinziegel waren flach und dünn. Häufig ergänzten Sie auch die dortigen Betonbauwerke. Im Lauf der Zeit verdrängte der Backstein so den zuvor verwendeten Tuffstein bis zum Ende dessen Blütezeit im 2. Jahrhundert.

Kaufmannshäuser aus Sand- und Backstein in Brügge
Kaufmannshäuser aus Sand- und Backstein in Brügge

Darum greifen Christliche Mönche den Baustoff wieder auf

Während die Backsteintradition in Italien weiter gepflegt wurde, endete diese im übrigen Europa. Erst als christliche Mönche den Baustoff im 12. Jahrhundert wegen der besseren Maßhaltigkeit (geringeren Abweichung beim Bau gegenüber Naturstein) wieder aufgriffen, erlebte der Backstein seine zweite Blütezeit. Im Ostseeraum kam hinzu, dass es dort, bis auf Findlinge, keine natürlichen Gesteinsvorkommen zur Bausteingewinnung gibt, wohl aber viele Lehmvorkommen. So setzt sich der relativ leicht herzustellende, preiswerte und harte rote Baustoff durch. Großartige Zeugnisse dieser ersten Anfänge waren der Dom zu Roskilde (1170) in Dänemark und später die Marienkirche in Lübeck (1277).

So wird der Backstein hergestellt

Der Ziegler
Der Ziegler. Bildnachweis / Picture source: Hans Sachs: Eygentliche Beschreibung Aller Stände auff Erden, Frankfurt am Main (1568) fol. 91r, Sächsische Landesbibliothek Dresden, http://digital.slub-dresden.de/id278811973

Traditionell wurden Ziegel aus Lehm (Mischung aus Sand, Schluff und Ton) oder Ton (Minerale / Schichtsilikate) und Wasser hergestellt. Mehrmals wurde der Lehm/Ton mit Wasser versetzt (gemaukt/gesumpft) und wieder getrocknet (gesommert), um Gase entweichen zu lassen. Fallweise fügte man noch Sand hinzu und gab die Masse in einen Formrahmen (Ziegelmodel) der oben offen war. Überschüssiges Material wurde abgestrichen und die Form gestürzt und die Ziegelrohling dann mehrere Wochen luftgetrocknet.

Anschließend schichtete man die lederharten Rohlinge abwechselnd mit Holzkohle auf und bedeckte diese dann mit Lehm und Bruchziegeln zu einem sogenannte Meiler (Feldbrandofen). Der Brennvorgang nahm ca. 14 Tage in Anspruch. Insgesamt waren die Ziegel jedoch nur 3 Tage direkt Temperaturen von 600-900 Grad ausgesetzt. Die restliche Zeit diente zum Aufwärmen und Abkühlen. Nur 30 % der fertigen Ziegel waren von guter Qualität. Weitere 30 % mangelhaft und der Rest Ausschuss!

Härtegrade von Backsteinen

Ab dem 14. Jahrhundert produzierte man vermehrt in den aufkommenden Ziegelwerken. Diese verfügten über große Öfen, deren Brennkammer oft mit Kalkstein ausgemauert war. Hierdurch ließ sich die Produktion entscheidend erhöhen und der Ausschuss verringern.

Je nach Härtungsmethode unterscheidet man die dort produzierten Ziegel in:

  • Luftgetrocknete Ziegel – (Adoben oder Lehmziegel). Geringe Belastbarkeit von nur 150 kg/cm². In wärmeren Regionen verwendet.
  • Gebrannten Ziegel – Bei 800 – 1100 Grad im Brennofen gebrannt und langfristig verfestigt, jedoch nicht sonderlich witterungsbeständig. Mittlere Belastbarkeit von 250 kg/cm². Verwendung für Innenwände die zusätzlich verputzt werden.
  • Hartgebrannte Ziegel – Bei 1200 Grad (Klinker und Dachziegel) gebrannt. Leichter und witterungsbeständiger Stein durch geschlossene Poren. Hohe Belastbarkeit von 500 kg/cm². Verwendung für Außenwände und Pflaster.

Begriffe zu Backstein, Ziegel und Co.:

Hier eine kurze Übersicht der wichtigsten Begriffe:

  • Ziegel – Lehmziegel, Dachziegel oder Adobe in Quaderform.
  • Backstein – Aus Lehm bei 900 Grad in Ziegeleien gebrannt (gebacken). Offenporig und wenig beständig, so dass er häufig in Innenwänden zum Einsatz kommt, die zusätzlich verputzt werden. Besteht er aus Ton und wird heißer gebrannt, so ist er härter, leichter und beständiger.
  • Klinker – Bei 1200 Grad gebrannter blauer Ton (reich an Alumosilikat) der extrem witterungsbeständig ist.
  • Terrakotta – Unglasierte keramische Produkte aus einfachem Ton. Häufig in Form dekorativer Schmuckelemente an Gebäudefassaden.
  • Mauerwerk – Einfache gebrannte Ziegel und Mörtel (Kalk und Zement).
  • Blendziegel – Aus optischen Gründen vorgesetzte, nicht tragende, Vorsatzschale des zweischaligen Mauerwerks. Auch Oberbegriff für frostsichere Steine (Verblender, Klinker, Riemchen). Viele Haus- und Villenfassaden aus dem 19. Jahrhundert wurden mit Blendziegeln errichtet. Häufig anzufinden in Berlin, Leipzig, Halle und Dresden.
  • Sonderziegel – Beispielsweise tragende Loch- oder Hohlziegel (z. B. von Poroton) mit Löchern zur Gewichtsreduzierung und Wärmedämmung. Bereits von den Römern zur Warmluftverteilung eingestetzt.
  • Glasur – Oberflächenveredelung die den Klinker ein glattes, farbiges Äußeres verleiht. Hierzu werden die Backsteinrohlinge vor dem Brennen mit einem Schlicker überzogen der kleine Mengen Ton und gemahlenes Glas (Glasurfritten) enthält. Beim anschließenden Scharfbrand bei 1280 Grad geht die Glasur eine unlösliche, geschlossene und glasartige Verbindung mit dem Klinker ein, die in der Sonne farbig glänzt.
  • Klosterformat – Für den Bau repräsentativer Gebäude setzten sich Ziegel im so genannte Klosterformat (28×15×9 cm bis 30×14×10 cm und einer durchschnittlichen 1,5 cm Fuge) durch.
  • Ornament – Dekoratives, sich wiederholendes, abstraktes Muster an Gebäuden (von lat ornare „zieren“, „schmücken“).
  • Fries – Lineares, häufig waagerechtes Stilelement aus Ornamenten.

Backsteingotik: Blütezeit des Bauens mit Backstein

Die Blütezeit des dekorativen Bauens mit Backstein nennt man Backsteingotik. Sie ist eine Sonderform der Gotik (12. – 15. Jahrhundert) im ehemaligen Verbreitungsgebiet der Hanse (Westfalen, Nord- und Ostseeraum) sowie den Niederlanden und Flandern. Der gut verfügbare und preiswerte Backstein ermöglichte erst die enorme Wandlung von der vorangegangenen Romanik hin zur Gotik. Der charakteristischer Baustil, der von Materialreduktion geprägt war, schuf Bauten, die wuchtig und von monumentaler Größe waren, zugleich aber von schlichter Eleganz. Man orientierte sich insbesondere an den Kathedralen Frankreichs, jedoch ohne deren graziles Äußeres zu übernehmen.

Glasierte Backsteine Fries mit Ornamenten Nikolai Kirche Wismar
Glasierte Backsteine Fries mit Ornamenten Nikolai Kirche Wismar

Backstein als Schmuckelement

Große Räume und Gewölbe ließen sich auf einmal sehr einfach mit den soliden Backstein-Formsteinen per Kreuzrippen überspannen und bedecken. Wiederkehrende Muster, sogenannt Ornamente, schmückten die Gebäude-Fassaden ebenso wie glasierte, farbige Ziegel. In der Folge ging man auch dazu über, große Wände in Kirchen einzureißen und mit hohen Fenster versehen. Diese wurden mit verzierten, bunten Gläser versehen, in die somit farbiges Licht in die Innenräume fiel. Bedeutende Gebäude dieser Stilepoche sind die Marienkirche in Lübeck mit dem höchsten Backsteingewölbe der Welt, das Holstentor sowie das Rathaus und die Nikolaikirche in Stralsund. Im 16. Jahrhundert ging die Backsteingotik schließlich in die folgende Backsteinrenaissance über.

Europäische Route der Backsteingotik

Die Europäische Route der Backsteingotik ist ein Verein, in dem sich Städte und Regionen in Deutschland, Polen und Dänemark zusammengeschlossen haben. Viele dieser Mitgliedsstädte verfügen über reichlich Gebäuden aus der Backsteingotik. Hierzu zählen Kirchen, Rathäuser, Befestigungen, Klöster und Bürgerhäuser. Wissenswertes zum damals neuen Baustoff Backstein findet man auch im Hansemuseum in Lübeck.

Euroäische Route der Backsteingotik
Euroäische Route der Backsteingotik

Der Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, Gebäude aus dieser Epoche bekannter zu machen und ihren Erhalt zu sichern. Auf verschiedenen Routen des Vereins lassen sich so schöne Ausflüge und Reisen mit herrlichen Zielen erkunden. Hervorgegangen ist der Verein auf Initiative der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dessen Begründer Gottfried Kiesow.

Route der Europäischen Backsteingotik
Route der Europäischen Backsteingotik
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Chris

Chris ist Hobbyfotograf aus dem schönen Hansestadt Hamburg mit einem Faible für die Geschichte und Architektur der Hanse.

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